Rosenpflege ohne Gift: wie ihr eure Rosen chemiefrei zum Blühen bringt

Von  |  0 Kommentare

Die Königin der Blumen stellt hohe Ansprüche an den Gärtner. Aber kann man diese Ansprüche wirklich nur mit Chemie erfüllen? Wir zeigen euch, wie ihr stattdessen mit biologischen Mitteln und natürlichen Tricks eure Rosen blühen lasst.

Rose im Regen

Frühjahrszeit ist Rosenzeit

Haben eure Rosen den Winter gut überstanden? Dann ist es jetzt an der Zeit, sie für den Sommer vorzubereiten – wenn ihr das nicht schon getan habt. Weil Rosen empfindliche Gewächse sind, gehört ein gutes Maß jährlicher Pflege dazu, um die Schönen vor Krankheiten und Schädlingen zu schützen. Rosenpflege bedeutet daher in erster Linie drei Dinge:

  1. Schnitt und Reinigung
  2. Düngung
  3. Vorbeugung von Befall durch Schädlinge und Krankheiten

1. Schnitt: einmal zum Friseur

Wie Rosen geschnitten werden müssen, ist ein Thema für sich. Wichtig ist in erster Linie, Totholz und ungesund aussehende Zweige zu entfernen. „Am alten und abgestorbenen Holz überwintern viele Pilze und Schädlinge, abgestorbenes Holz [daher] unbedingt entfernen“, rät Werner Ruf von der Bioland-Rosenschule in einem Beitrag für den Rosenfreundekreis Suhl.

Was den Rest angeht, könnt ihr es wie Hobbygärtnerin und Bloggerin Christel Harnisch halten: „Der Rest der Rose (…) wird der Schönheit nach angepasst. Im Allgemeinen (…) empfinde ich nach innen verzweigte Triebe nicht als störend, sondern im Gegenteil, sorgen sie doch für mehr Stabilität.“

Gartenschere schneidet Rosenast

Rosen sollten im Frühjahr geschnitten werden, bevor sie zu treiben beginnen.

2. Dünger: Vorsicht vor Chemie!

Viele Gärtner sind von den herkömmlichen chemischen Produkten nicht überzeugt. „Kein Kunstdünger!“, warnt zum Beispiel Bio-Rosenbauer Reinhold Schneider im Interview mit rosenenergie.de. „Das heißt auch keinen Rosendünger, der nicht als Bio-Dünger nach der EU-Verordnung zugelassen ist. Alle anderen enthalten leichtlöslichen Mineraldünger, welcher die Rosen schwächt und für Pilzbefall empfindlich macht.“

Auch Werner Ruf von der Bioland-Rosenschule Bad Nauheim- Steinfurth hat zu viele schlechte Erfahrungen mit Kunstdünger gemacht: „Wir wenden in unserem Betrieb konsequent seit 1995 keine chemischen Pflanzenschutzmittel mehr an, weil wir einfach nicht genug über ihre ganzen Aus- und Nebenwirkungen wissen, um sie guten Gewissens einsetzen zu können. Immer wieder werden Mittel vom Markt genommen, die zunächst als unbedenklich empfohlen werden, dann aber doch zu gefährlich sind.“

Doch was sind die Alternativen?

Der richtige Boden

Wo sich die Experten einig sind: ein guter Boden sorgt auch für eine gesunde Rose. „Das ist wie bei uns Menschen, fühlen wir uns wohl, werden wir weniger krank“, schreibt Christel Harnisch auf ihrem Blog.

Was die richtige Bodenzusammensetzung angeht, meint Werner Ruf in seinem Beitrag über biologische Rosenhaltung: „Idealer Rosenboden ist humoser, tiefgründiger, lehmiger Sand. Der Humus bildet die Nahrungsgrundlage, Lehm speichert die Nährstoffe, der Sand gibt die Lockerheit.“ Tödlich für Rosen ist vor allem zu viel Feuchtigkeit. „Rosen wachsen zur Not auch auf Fels u. Stein mit nur 30-40 cm Mutterboden, nie jedoch mit nassen Füßen.“

Wenn ihr eure Rose im Topf anpflanzt, gibt euch Reinhold Schneider in seinem Interview einen Tipp: „Mit Kieselsteinen, Streusplit oder ähnlichem eine ca. 3-5 cm hohe Schicht [im Topf] einbringen, ein Stück Vliesstoff darüber und dann darauf erst die Erde zum Einpflanzen. Das verhindert effektiv das Verfaulen der Rosenwurzeln.“

Schubkarre mit Kompost

Rosen sind Tiefwurzler. Umso wichtiger ist die richtige Bodenzusammensetzung. Ist der Untergrund zu feucht, faulen die Wurzeln.

Asche und Kompost

Was das Düngen an sich angeht, hilft es, sich vor allem den Hauptunterschied zwischen biologischer und künstlicher Pflanzenernährung vor Augen zu halten, wie ihn Werner Ruf beschreibt: „Nicht das direkte Ausbringen der chemischen Elemente, sondern das Ernähren des Bodenlebens stellt die Nährstoffversorgung sicher.“

Welche Materialien sich für die Rosenernährung am besten eignen, kann variieren. Mehr als befriedigende Ergebnisse erzielt Christel Harnisch mit nur zwei Zutaten: „Ich dünge seit Jahren meine Rosen nur mit Holzasche und Silicea C 200 [ein homöopathisches Mittel, Anm. d. Red.]. Wenn die ersten Blätter ausgetrieben sind, gebe ich ein wenig Asche um die Pflanze und harke sie ein wenig in die Erde ein“, verrät sie auf ihrem Blog.

Werner Ruf betont währenddessen die Humuszufuhr in Form von verrottetem Stallmist oder Kompost, da über ihn der Rose alle wichtigen Nährstoffe wie Kali, Phosphor und Stickstoff zugeführt werden. Was man auch nicht vergessen sollte: „Rosen sind kalkhungrig. (…)Alle 4-5 Jahre sollte gekalkt werden, denn Kalk beeinflusst nicht nur den Säuregrad und den Nährstoffhaushalt des Bodens, sondern ist auch Nährstoff, welcher der Pflanze Stabilität und Härte gibt.“

Rosen werden mit Sprühflasche gegossen

Wenn schon Dünger aus der Flasche, dann bitte biologischen!

3. Schutz vor Schädlingen und Krankheiten

Rosenliebhaber kennen und fürchten sie: Sternrußtau, Mehltau, Blattläuse und Spinnmilben – die Rose kommt mit ihren ganz eigenen Anfälligkeiten. Was kann man dagegen tun, will man Fungizide und Pestizide vermeiden?

Die erste Grundregel lautet: Vorbeugen ist besser als behandeln! Das sieht auch Reinhold Schneider so: „Die Chemie, so giftig sie ist, hilft sowieso auch nicht mehr, wenn der Befall schon da ist. Fachlich ausgedrückt: die Fungizide haben keine kurative Wirkung.“ Um es gar nicht erst so weit kommen zu lassen, gibt es je nach Befall verschiedene Lösungen.

Sternrußtau

Der Pilz ist die häufigste und gefürchtetste Krankheit in unseren Breitengraden, da er nasskalte Witterung besonders gerne mag. Biologische Mittel zur Vorbeugung sind Schachtelhalmextrakt, Neudovital oder Vulkasan. Das Problem: ist der Pilz erst einmal da, hilft nicht mehr viel, als sorgfältig alle befallenen Blätter und Zweige abzuschneiden und auch totes Material vom Boden zu entfernen. Um den Pilz von der Verbreitung abzuhalten, helfen auch ein gut durchlüfteter Standort und ausreichend Abstand zwischen den Pflanzen. (Quelle)

Von Sternrußtau befallenes Rosenblatt

Beim Sternrußtau bilden sich schwarze Flecken auf den Blättern, ehe sie vergilben und schließlich abfallen.

Echter Mehltau und Spinnmilben

Da sowohl Mehltau als auch Spinnmilben meist bei Hitze und Trockenheit auftreten, ist durchdringendes Gießen eine wichtige Vorbeugemaßnahme für Rosen, die der Sonne stark ausgesetzt sind. Ansonsten helfen auch Abschneiden der befallenen Spitzen sowie verschiedene Bio-Mittel für Mehltau bzw. Ölpräparate bei starkem Befall durch Spinnmilben. Reinhold Schneider sieht den Standort allerdings als das Hauptproblem: „Wenn es Spinnmilben gibt, ist es der Rose zu heiß und zu trocken. An eine Südwand gehört ein resistenter Weinstock, dieser liebt die Hitze.“

Blattläuse

Bleiben noch die kleinen Blattfresser, die zumeist in einer quasi-symbiotischen Allianz mit Ameisen auftreten. Ein Geheimtipp von Christel Harnisch: „Als erstes heißt es die Ameisen vertreiben. Und das macht man am besten mit Kampfer. Toller Nebeneffekt: den Geruch mögen auch andere Schädlinge nicht und vielleicht könnt ihr gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen.“

Das andere Problem, das Blattläuse laut Werner Rufs Artikel mit sich bringen: Sie „nehmen regelmäßig beim ersten Auftreten Oberhand, da sie sich bis zu 15-mal schneller entwickeln, als ihre Feinde. Bei der Bekämpfung der Läuse ist es unwahrscheinlich wichtig, die Nützlinge zu schonen. Nur so kann sich schnell ein natürliches Gleichgewicht einstellen.“ Gegen die Läuse selbst empfiehlt er daher Zerdrücken, Abspritzen mit Wasser oder Seifenpräparate wie Weinbergseife oder Neudosan, unter denen die Blattläuse ersticken.

Blattläuse auf Rosenzweig

Nicht nur, dass die Parasiten den Saft aus der befallenen Pflanze saugen: der ausgeschiedene Honigtau lockt im schlimmsten Fall weitere Schädlinge an.

Der Arbeit Lohn

Rosen machen zwar viel Arbeit, belohnen dafür aber auch mit ihrer zu Recht gepriesenen Schönheit und ihrem einzigartigen Duft. Und wenn ihr bei der Pflege eurer Rosen konsequent auf Chemie und Kunstdünger verzichtet, habt ihr am Ende noch mehr davon: Ob Rosenblütentee, Gelee oder Rosenseife – nur chemiefreie Rosenblätter eignen sich nämlich für Küche und Kosmetik.

Das vollständige Interview mit Reinhold Schneider über „Gesunde Rosen ohne Chemie“ finden Sie auf übrigens auf rosenenergie.de!

Wir wünschen euch daher viel Erfolg und Freude mit euren Rosen und einen tollen Sommer!

 

 

Bilder:

© iStock.com / whiteorchid; AndrisTkachenko; nixoncreative; Slawomir Chabior; Kim_white

© wikipedia.org / Rasbak

You must be logged in to post a comment Login

Hinterlasse einen Kommentar!